28. Oktober 2019
Ein echter Aha-Effekt während meines Vortrags in Flensburg (22.10.2019): Ein Student der Sporthochschule Köln - 25 Jahre jung, durchtrainiert, eloquent, locker im Ton, bestimmt in der Sache - beschreibt, wie er sich vor zwei Jahren von Instagram losgesagt hat. Im Gegensatz zu einigen anderen Diskussionsteilnehmern erscheint ihm das Konzept der Medienlogik nachvollziehbar. Er erzählt von Kommilitonen, die ständig damit beschäftigt sind, Instagram-Storys zu posten, ganz auf...
18. September 2019
Immer mehr Abiturienten in Deutschland haben einen Durchschnitt mit einer 1 vor dem Komma. Laut einer Umfrage der Rheinischen Post traf das 2018 auf jeden vierten zu (25%), 2008 noch auf jeden fünften. Die viel beklagte und doch von der Politik zumindest geduldete (weil von den wählenden Eltern gewollte) Noteninflation hat gravierende Nachteile. Eine wirklich ausgezeichnete Leistung hebt sich als solche kaum mehr ab. Auch nicht an den Hochschulen, die ihrerseits - nicht in allen, aber in...
08. August 2019
Katharina Riehl beleuchtet - passend zur Jahreszeit - in der Süddeutschen Zeitung das Konstrukt Familienurlaub. Sie macht viele richtige Beobachtungen. Etwa, dass Eltern vor 30 Jahren nicht den Anspruch hatten, die zwei wertvollen Quality-Time-Ferienwochen zum Intensiv-Austausch mit ihren Kindern zu nutzen. Die Kinder waren dabei, haben im Sand gebuddelt, mit Gleichaltrigen gespielt und rumgemotzt, wenn ihre Erziehungsberechtigten sie dazu zwangen, einen Berg zu besteigen. Heute muss der...
16. Juli 2019
Ein kurzer Besuch auf YouTube genügt, um sich ein Bild von der vielfältigen Dramaturgie moderner Heiratsanträge zu machen. Sämtliche Dimensionen der Medienlogik lassen sich identifizieren, vom Überraschungsmoment über das gelungene Storytelling bis hin zu Publikumsbeteiligung und Dokumentation (deshalb ja auch alles auf YouTube). Besonders wichtig ist Paaren heutzutage die Originalität - kein Wunder, sind sie doch medial sozialisiert. So hat sich jüngst ein Mann aus Süddeutschland ein...
06. Juni 2019
Daran, dass Abiturienten ihren Schulabschluss in Ballkleid und Smoking feiern, mit einer Limousine zur Location fahren und Foto-Boxen stürmen, habe ich mich fast schon gewöhnt. Zu meiner Zeit tat es zwar die Turnhalle, aber nun ja, die Zeiten ändern sich. An was ich mich in Zeiten von Freitags-Demos für den Klimaschutz nur schlecht gewöhnen kann: Abitur-Party-Reisen nach Spanien, Griechenland oder Bulgarien. Wir sind damals gar nicht weggefahren, sondern haben an der Isar gegrillt. Seit...
06. Juni 2019
Vor einiger Zeit hat mir ein Unternehmensberater erklärt, dass meine Sicht auf den sozialen Wandel in der Familie viel zu gefühlsbetont sei. Für eine makrotheoretische Betrachtung sei es völlig unerheblich, ob Mütter sich gerne um ihre Kinder kümmerten oder nicht. Es schade zu finden, dass Eltern zugunsten der Berufstätigkeit die Kinderbetreuung auslagern, sei hoffnungslos konservativ und - ja, das müsse er leider sagen - auch ein bisschen naiv. Vermutlich hat er Recht. Es ist...
06. Mai 2019
Die Journalistin Antonia Baum hat in der "Zeit" jüngst mit den Edel-Hollywood-Hochzeiten abgerechnet, die selbst emanzipierte, intelligente Frauen sich heutzutage wünschen - und entsprechend zelebrieren. Sie führt diese Praktik auf bis dato virulente Geschlechterhierarchien zurück. Sie glaubt, Frauen seien immer noch darauf angewiesen, geheiratet zu werden, und wenn sie das dann mal geschafft haben, lassen sie es so richtig krachen. Quasi als Erlösungsfest. In einem Punkt gebe ich Baum...
23. April 2019
In meinem Buch gehe ich seitenlang auf das Eventfeuerwerk ein, mit dem die Mittelschicht ihre Kinder bespaßt. Immer muss was geboten sein, vor allem an den Wochenenden und im Urlaub. Familien, die während der Ferien zu Hause bleiben, sind - zumindest gefühlt - nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Erst kürzlich wunderte sich eine Kollegin darüber, dass ihre Freunde und Nachbarn es sich leisten könnten, ständig irgendwelche Reisen zu unternehmen. Ich bin mir sicher: Dieser...
25. März 2019
Natacha Ramsay-Levi ist Chefdesignerin des Modehauses Chloé. In einem Interview mit dem Magazin der Zeit wünscht sie sich eine andere Form des Konsums. "Ich glaube, wir sind alle viel zu besessen vom Neuen. Mein größter Wunsch ist es, dass es weniger Kollektionen gibt. Dass wir den Leuten eine andere Art des Konsumieren zeigen. Es gibt zu viel Abfall, zu viel Gier nach dem immer neuesten Zeug. Ich verstehe das nicht." Die hohe Frequenz erzeuge einen gewaltigen Druck, sei nicht nachhaltig...
20. Februar 2019
Viele berufstätige Mütter arbeiten freitags nicht. Am Freitag muss nämlich alles das passieren, was an den anderen Tagen nicht geklappt hat. Einkaufen, Putzen, Waschen, Bügeln, Post erledigen, die Steuer machen. Ich weiß, wovon ich rede. Allerdings stelle ich fest, dass viele Frauen ungern zugeben, diesen Frei-Tag zu brauchen (der nicht frei ist, sondern extrem anstrengend). So stand in einer Bewerbung der schöne Satz: "Ich möchte insgesamt 30 Stunden arbeiten, von Montag bis Donnerstag,...

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